Der Schmetterlingsmann – 2011
ein Silhouettenbuch von Franziska Leonhardi
Der Schmetterlingsmann – 2011
ein Silhouettenbuch von Franziska Leonhardi
Der Schmetterlingsmann – studio 2009
Februar 2011
Modell von Enrico Becker zur Aufführung des Paulusoratoriums am Königsufer, Dresden





Februar 2011
im Studio






Kurse und Workshops

Ein Daumenkino auch für Ohren? – Bildende Kunst trifft mathematische Musik
Bilder entstehen durch eine Sinnenflut. Wenn ich in einem Raum bin und meine Augen schließe, so wird das Bild des Raumes ein anderes. Doch was verändert sich? Dieser Kurs befasst sich mit bewegten Bildern. Er nutzt das Medium der Illustration um zu erleuchten, zu erklären und zu preisen. Die hier entstehenden Illustrationen sollen das Motiv der Wandlung in sich tragen. Die einfachste Möglichkeit dafür findet sich im Daumenkino. Immer umfangreicher wird das Sehen von Abläufen in der Entwicklung hin zum modernen Film. Jedoch wollen wir einfach bleiben und trotzdem facettenreich Wandlungen darstellen: ein Daumenkino auch für Ohren?
Franziska Leonhardi
Malerei/Grafik/andere bildnerische Medien
www.franziska-leonhardi.de
in Zusammenarbeit mit
Prof. Dr. Stefan Schmidt
Mathematiker an der TU Dresden und Komponist
www.paulus2011.de
Material: Polylux mit Folien und Folienstiften, Klavier, abdunkelbarer Raum, Unterlagen zum Malen, weiche Bleistifte, Scheren, Leim, Malerklebeband, 20Klammern, schwarzes Zeichenpapier 70×100cm pro Teilnehmer ein Bogen, Gouachefarben mit dünnen und dicken (dick=Faustdick) Pinseln und Wassernäpfen, weißer Block Zeichenkarton, Klemmlampen/Strahler/Schreibtischlampen insgesamt 4 Stück
weiteres unter: esg magdeburg
Anmeldung: Du kannst dich über die Internetseite der Akademie Meißen anmelden.
Auskünfte erteilt Tagungssekretärin Frau Ines Franke.
E-Mail: ines.franke@ev-akademie-meissen.de
Tel.: 03521/4706-15, Fax: 03521/4706-99
Kurse und Workshops
Regionales Projekt Kirchenmusik: Paulus von Felix Mendelssohn Bartholdy in Musik und Bild
aktueller Newsletter zur Voranmeldung!!!!!!
Die letzten Gespräche mit Verantwortlichen des Kirchentages haben ergeben, dass es nach jetzigem Er-messen ziemlich sicher ist, dass unser Projekt am Himmelfahrts-Donnerstag, 2. Juni 2011 um 20.30 Uhr
an den Elbwiesen, Neustädter Ufer, zwischen Carolabrücke und Augustusbrücke, stattfinden wird. Als Elbe-Hochwasser-Variante ist der Theaterplatz vorgesehen. Eine Regenvariante hingegen gibt es nicht. Wünschen wir uns also neben der guten Stimmung auch ein gutes Wetter, dann wird die Kulisse für alle Beteiligten einmalig schön sein, so wie Dresden eben ist!
Das Oratorium Paulus wird ungekürzt aufgeführt. Falls verschiedene Ausgaben benutzt werden, die zu Diffe-renzen führen, ist der Fassung des Carus-Verlages zu folgen.
Voraussichtlich am Vormittag des Konzerttages, soll es für alle beteiligten Chorsänger eine Klavierprobe geben. Zeit und Ort werden noch bekannt geben. Voraussichtlich am späten Nachmittag wird es am Kon-zertort eine Stell- und Soundcheckprobe geben. Unmittelbar vor der Aufführung ca. 20 Uhr ist eine lockere Einführung geplant. Zum musikalischen Teil der Aufführung wird es einen bildnerischen Teil geben, den die Dresdner Künstlerin Franziska Leonhardi verantwortet. Chorsänger, Solisten und Orchester können in diesem Zusammenhang gefilmt werden. Wir bitten hiermit um Ihr Einverständnis dafür.
Für die Regionalen Projekte Kirchenmusik besteht folgende Ausnahmeregelung des Kirchentages: Die Mitwirkenden benötigen für Ihren Auftritt im Rahmen des regionalen Projektes keinen Mitwirkendenaus-weis für 24 Euro. Bei Wunsch einzelner Mitwirkender oder gesamter mitwirkender Gruppen nach Mitwirkendenausweisen zu 24 Euro (zzgl. Ggf. Fahrausweis zu 6 Euro), können diese analog zu allen anderen Mitwirkenden per An-meldeformular bestellt werden. Dieser Ausweis ist dann notwendig, wenn einzelne Mitwirkende oder mitwir-kender Gruppen an weiteren Veranstaltungen des Kirchentages teilnehmen möchten.
Die Mitwirkenden erhalten vom DEKT einen Ausweis, der ihnen ausschließlich zu ihrer eigenen Veranstaltung Eintritt gewährt. Da die Mitwirkenden aus der Region kommen, sind keine Quartiere über den DEKT möglich!
Ich bitte Sie nun bis zum 29.12.2010 Ihre Voranmeldung zu aktualisieren und an mich zu senden. Die verbindliche (namentliche) Anmeldung (mit und ohne Mitwirkendenausweis) muss bis zum 11.03.2011 an den DEKT erfolgen. Dafür bekommen Sie Anmeldeunterlagen im Februar zugeschickt.
Die Vorbereitung des Chores findet dezentral statt. Einzelne Chorsänger können sich an verschiedenen Orten bei Chorproben anschließen und sich gegebenenfalls bei den KMD Meyer, Pirna, Trepte, Radebeul, Hübler, Flöha, Galenkamp, Zwickau, Engel, Leipzig, und bei Domkantor Bräunig, Meißen, nach weiteren Probenmöglichkeiten für den Paulus erkundigen.
Hier angegeben werden nur die Proben, an denen ich selbst mitwirke:
Sa. 12. März 2011 14.00 – 16.00 Uhr Flöha, Gemeindehaus
Di. 03. Mai 2011 19.00 Uhr Martin-Luther-Gemeindesaal Dresden
Di. 10. Mai 2011 19.00 Uhr Martin-Luther-Gemeindesaal Dresden
Do. 12. Mai 2011 19.30 Uhr Tabor-Gemeindehaus Leipzig
Mo. 16. Mai 2011 19.30 Uhr Zwickau, Probensaal des Domchores Zwickau
Di. 17. Mai 2011 19.00 Uhr Martin-Luther-Gemeindesaal Dresden
Di. 24. Mai 2011 10.00 Uhr – 12.30 Orchesterprobe Riesa (kein Chor)
Do. 26. Mai 2011 16.00 Uhr – 18.30 Uhr Solisten-Orchesterprobe (kein Chor) Dom Meißen
Do. 26. Mai 2011 19.30 Uhr – 22.00 Uhr Dom Meißen (mit Orchester)
Fr. 27. Mai 2011 19.30 Uhr Dom Meißen: mehr infos
19.30 Uhr Stellprobe Vor-Konzert Dom zu Meißen
Do. 02. Juni 2011 Vormittag Klavierprobe in Dresden
Do. 02. Juni 2011 Stellprobe und Soundcheck Elbwiesen
Do. 02. Juni 2011 20.00 Uhr Einführung / Einstimmung
Do. 02. Juni 2011 20.30 Uhr Konzert: Paulus-Oratorium in Musik und Bild
Wer am Konzert im Meißner Dom mitwirken will, muss auch die dortige Orchester-Probe am Donnerstag besucht haben.
Während die Teilnahme am Vorkonzert in Meißen freiwillig ist, ist die Teilnahme an den Proben am Konzert-tag in Dresden für alle Teilnehmer des Konzertes Pflicht.
Bitte geben Sie bei der Voranmeldung mit an, wie viele Sängerinnen und Sänger im Dom zu Meißen gerne mitmachen würden. Die Teilnehmerzahl ist aus Platzgründen gegrenzt. Gegebenenfalls müssen wir schauen, welche Lösungen es für die Choraufstellung geben kann.
Die Teilnahme beim Konzert an den Elbwiesen ist im Grunde nicht begrenzt. Es kann gerne weiter für die Teilnahme geworben werden. Aber auch da muss geklärt werden, wie die Choraufstellung sinnvoll geplant werden kann.
Deshalb brauchen wir bis zum Jahresende Ihre aktualisierten Voranmeldungen.
In Vorfreude auf das schöne Projekt zum Deutschen Evangelischen Kirchentag 2011 und mit freundlichen Grüßen in der Advents- und Weihnachtszeit
Ihr
Markus Leidenberger LKMD
Ein Daumenkino auch für Ohren? – Bildende Kunst trifft mathematische Musik

Bilder entstehen durch eine Sinnenflut. Wenn ich in einem Raum bin und meine Augen schließe, so wird das Bild des Raumes ein anderes. Doch was verändert sich? Dieser Kurs befasst sich mit bewegten Bildern. Er nutzt das Medium der Illustration um zu erleuchten, zu erklären und zu preisen. Die hier entstehenden Illustrationen sollen das Motiv der Wandlung in sich tragen. Die einfachste Möglichkeit dafür findet sich im Daumenkino. Immer umfangreicher wird das Sehen von Abläufen in der Entwicklung hin zum modernen Film. Jedoch wollen wir einfach bleiben und trotzdem facettenreich Wandlungen darstellen: ein Daumenkino auch für Ohren?
Franziska Leonhardi
Malerei/Grafik/andere bildnerische Medien
www.franziska-leonhardi.de
in Zusammenarbeit mit
Prof. Dr. Stefan Schmidt
Mathematiker an der TU Dresden und Komponist
www.paulus2011.de
Material: Polylux mit Folien und Folienstiften, Klavier, abdunkelbarer Raum, Unterlagen zum Malen, weiche Bleistifte, Scheren, Leim, Malerklebeband, 20Klammern, schwarzes Zeichenpapier 70×100cm pro Teilnehmer ein Bogen, Gouachefarben mit dünnen und dicken (dick=Faustdick) Pinseln und Wassernäpfen, weißer Block Zeichenkarton, Klemmlampen/Strahler/Schreibtischlampen insgesamt 4 Stück
Oratorium »Paulus« zum Mitsingen

175 Jahre nach der Uraufführung des »Paulus« von Felix Mendelssohn Bartholdy laden wir Sie ein, beim Kirchentag eine Aufführung mitzusingen. Ziel ist es, wie bei der Uraufführung, 356 Sängerinnen und Sänger zu versammeln Sollten wir mehr Interessenten finden, so ist das auch ein schönes Zeichen unserer landeskirchlichen Chorszene. Geplant ist, die musikalische Aufführung theologisch- musikwissenschaftlich vorzubereiten und auch bildnerisch zu begleiten. Mehrere Kantoreien unserer Landeskirche haben in den letzten Jahren den »Paulus« zur Aufführung gebracht. Deshalb sind bei Vielen gute Vorkenntnisse vorhanden Vor dem Kirchentag werden, neben Proben in Dresden, dezentrale Chorproben angeboten. Für die weitere Planung brauchen wir eine Voranmeldung welche Chöre mit etwa wie vielen Sängerinnen und Sängern beabsichtigen an dem Projekt teilzunehmen. Selbstver- ständlich sind auch Einzelanmeldungen zugelassen und erwünscht. Ihre Antwort erbitten wir per E-Mail oder Fax bis zum 31. Mai 2010 unter Angabe der Personenzahl und jeweiligen Stimmgruppe sowie einer Kontaktperson an:
LKMD Markus Leidenberger
Ev.-Luth. Landeskirchenamt Sachsens
Lukasstr. 6 – 01069 Dresden
E-Mail: Markus.Leidenberger@evlks.de
Fax: (0351) 4692-109
EYK KAULY – der Kanal eines Gehörlosen
music and deaf – das Gehörlosenorchester von Dr. Paul Whittaker
michael meschke – roi ubu
Die tödliche Doris – „Sie mag Musik nur wenn sie sichtbar ist“
mehr infos
audioempfehlungen:
Ein Gehörloser fühlt sich sprechen:
Emotionen. Zum ersten Mal öffnet die Blackbox bei Nachtdigital ihre schwarzen Türen und zieht euch in ihren Bann, während Gold Panda den passenden Sound dazu liefert. Das Team, bestehend aus Franziska und Jonas Leonhardi & Thomas und Stefan Schmidt, zieht seine Inspirationen aus skurrilen Situationen des Alltags, Abgelegenen Orten rund um den Globus und Musik jenseits des Mainstream. Unter Einsatz moderner Videotechnik und Jahrhunderte alter Papierschneidetradition wird live vor euren Augen ein Spektakel zum Leben erweckt, das sich niemand entgehen lassen sollte.
Eine wichtige Rolle wird dabei das Computerprogramm MUTABOR einnehmen. Es erlaubt dem Musiker, elektronische Musikinstrumente dynamisch zu temperieren. Erst dadurch wird es dem Instrument möglich, einen harmonischen Verlauf eines Musikstückes zu realisieren, wie er sonst nur Chören und wenigen Musikinstrumenten vorbehalten ist. Hierbei gibt es bei bestimmten Akkordfolgen mehrere Verzweigungspunkte, an denen sich das Instrument oder der Chor für eine Richtung entscheiden muss, während die Visualisierung allen Wegen folgen kann.

Prof. Dr. Stefan Schmidt, Tobias Schlemmer
Visualisierung Lichtchoral (F.Mendelssohn)
Vorträge
Prof. Dr. Stefan Schmidt in Moskau
Mutabor-Vortrag
Mathematik beim Aufbau von Tonleitern
Zeitstrukturen in der Musik
Transpositionen

Es geht nun langsam auf die Aufführung des Paulusoratoriums anlässlich des Kirchentags in Dresden zu. Sie stehen mit einem kleinen Figurentheater, so groß wie ein Kühlschrank, 300 Sängern und 50 Instrumentalisten gegenüber, David gegen Goliath?
Das ist doch eine schöne Herausforderung!
Braucht ein Musikwerk wie das Paulusoratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy wirklich eine künstlerische Untermalung? Oder, anders gefragt, was sind die Beweggründe für Ihr Kunstprojekt anlässlich des diesjährigen Kirchentags in Dresden?
Nein, eine künstlerische Untermalung braucht meines Erachtens das Paulusoratorium nicht. Vielmehr interessiert mich eine Gegenüberstellung von Musik und Bild. Hier ist Bild keine bloße Untermalung, sondern Illustration im ursprünglichen Sinne, abgeleitet vom lateinischen Wort illustrare: „erleuchten, erklären, preisen“. Diesem Anspruch folgend, interessiert mich das Paulusoratorium als Gesamtwerk, welches eher predigt als erzählt. Überdies habe ich mir die Frage gestellt, wie ich dieses Oratorium erfahren kann, wenn ich es nicht höre. Angeregt wurde das Paulusprojekt durch den sächsischen LKMD Markus Leidenberger, der die musikalische Leitung inne hat. Übrigens handelte es sich auch für Mendelssohn bei seiner Komposition um ein Auftragswerk.
Welche künstlerischen Ausdrucksmittel haben Sie gewählt um sich gegenüber der Musik zu behaupten?
Immerhin stehen Ihnen bei der Aufführung an der Elbe im abendlichen Dresden über 350 Musiker gegenüber. Ganz im Geiste von William Kentridge gehe ich von der Zeichnung aus, auch wenn sie in einem Prozess zu sehen ist, welcher Elemente des darstellenden Spiels trägt. Zum Schluss ist alles wieder Zeichnung. Der Rahmen, in dem meine Bilder agieren, bildet ein Figurentheater, welches ein Schattenspiel mit Silhouetten integriert. Wichtig ist mir, dass das Spiel sowohl vor als auch hinter der Schattenwand verfolgt werden kann – ähnlich dem indonesischen Schattenspiel. So möchte ich in eine Welt des Durchleuchtenden vordringen, mich zwischen Materialität und Spiritualität bewegen. Bedeutend ist für mich dabei auch das gesamte Ambiente der Aufführung, welches im Sinne von Gadamer erlauben soll, Kunst als Spiel, Symbol und Fest zu erleben. Sie sind mit ihrem Figurentheater für das Paulusprojekt durch Amerika gereist. Wie wird sich das in ihre Aufführung einbinden? Nicht nur haben wir die Reise filmisch dokumentiert, wir waren sozusagen mit „Paulus on a mission“: Das Theater reiste samt seiner Akteure durch den Südwesten der U.S.A., angefangen mit Aguire Springs in den Bergen von Las Cruces, über die Gipssanddünen von White Sands, zur Westerntown Tombstone und den Rolling Rocks der Dragoon Mountains, hin zur Indian Mission San Xavier und das Montezuma Indian Castle, gefolgt von der Sin City Las Vegas, über das sengend heiße Death Valley, schließlich an die nebelumwobene Pazifikküste bei Berkeley zu David unserem Paulusdarsteller.
Wer ist David?
Als Kind verlor David sein Augenlicht, studierte später Psychologie und promovierte über „The Feeling ofGuiltoftheDisabled“. Heute arbeitet er als Psychologe vor allem mit körperlich behinderten Menschen. David war das erklärte Ziel unseres Reisetheaters. Für ihn wurde es als Formenwelt zurückliegender Ereignisse tastend erfahrbar. Dabei entdeckte er sein eigenes Spiel und füllte einen Paulus der Gegenwart mit nach innen gerichtetem Sehen und Erkennen: „I see“. David wird das Oratorium beschließen: Was für Paulus wegweisend war, hat zeitlose Bedeutung.
Ich will mal ganz direkt fragen, Pasolini hatte ein Drehbuch zu einem nie verwirklichtem Projekt: „Der heilige Paulus“. Sehen Sie Parallelen zu ihrer Arbeit?
Ein Unterschied wird hoffentlich sein, dass unser Paulus umgesetzt wird. Bei Regen allerdings fällt das Projekt ins Wasser. Also, was macht Pasolini? „Die poetische Idee, die diesen Film wie ein innovativer Leitfaden durchzieht, besteht darin, die Lebensgeschichte des heiligen Paulus auf heutige Zeiten zu übertragen.“ Das heißt nicht, dass er den biblischen Text veränderte! Er transformiert die gesamte Welt des Paulus inklusive der wesentlichen Schauplätze und Akteure in die Zeit eines Pasolini der 1960er Jahre. Was machen wir? Pasolini überträgt die Welt des Paulus in seine Gegenwart. Entsprechend haben wir die Reisen des Paulus in den Südwesten der USA verlagert. Es ist ein Land der Kontraste, von einer landschaftlich dominierten Welt der Wüstensteppe bis hin zu einer städtischen Dekadenz eines römischen Reiches der Neuzeit. Eine Transformation der Geschichte mit all ihren Widersprüchen erleichtert die Erfahrbarkeit. Andererseits ist mir als Künstlerin auch das zeitlos Archetypische ein Anliegen und zwar in Form einer universellen Kommunikation und Darstellung: Asien ist die Wiege vieler Kulturen und Kunstformen; eine davon ist das Schattenspiel, worin sich Dies- und Jenseitiges schon verbindet.
Ist Paulus heute überhaupt noch aktuell?
Bei der Auseinandersetzung mit Paulus geht es Pasolini nicht allein um eine religiöse Thematik, vielmehr beschäftigt ihn auch eine politische Dimension bis hin zur „Begründung des Universalismus“ durch Paulus. Diesem brisanten Aspekt hat der französische Philosoph und Sozialist Alain Badiou eigens ein Buch gewidmet. Übrigens lässt Pasolini seinen Helden zur Verbreitung der Botschaften aus dem Untergrund operieren. Die Aktualität von Pasolinis Helden gilt auch für meinen Paulus; lassen wir also Pasolini sprechen: „ Warum sollte ich seine irdische Lebensgeschichte in die heutige Zeit versetzen wollen? Ganz einfach: um meinem Eindruck und meiner Überzeugung von ihrer Aktualität auf die direkteste und eindringlichste Weise cineastisch Ausdruck zu verleihen. Um, in anderen Worten, dem Zuschauer explizit und ohne ihn zum Nachdenken zu zwingen mitzuteilen, dass der heilige Paulus hier, heute, unter uns ist und dass er fast physisch und materiell ist. Dass er sich an unsere heutige Gesellschaft richtet; dass sie es ist, die er beweint und liebt, die er bedroht und der er verzeiht, die er angreift und zugleich zärtlich umarmt.“
Welchen Stellenwert spielt dieses Projekt in ihrem bisherigen Schaffen?
Es gibt für mich zwei brennende Leidenschaften in meiner Kunst: die nomadischen Streifzüge und die Wandlung im Durchscheinenden. Hierbei möchte ich betonen, dass ich beide Passionen als bildende Künstlerin erlebe. Auf meinen nomadischen Streifzügen sammle ich als Malerin Reiseportraits und Eindrücke mit Vorliebe für zoologische Gärten; die Wandlung des Durchscheinenden suche ich vor allem in den weltweiten Traditionen der Silhouetten-Kunst. Und nun raten Sie mal, wozu das Paulusprojekt gehört? – Ein Meilenstein um die Silhouetten-Kunst ist für mich 2004 „Der Wolf auf leisen Sohlen“. Es handelt sich dabei um mein Silhouetten-Spiel zu „Rotkäppchen und der Wolf“, in welchem ich zusammen mit gehörlosen Jugendlichen zwei visuelle Sprachen gegenüberstellte: die Gebärdensprache der Jugendlichen und die Zeichensprache der Silhouetten-Figuren. Musik spielte bei dieser Aufführung überhaupt keine Rolle. Hingegen wird der indianische Mythos „Der Schmetterlingsmann“ aus dem Jahre 2009 förmlich von der Musik getragen. „Der Schmetterlingsmann“ entfaltet sich aus einem überdimensional großen Popupbuch. Seite für Seite schlägt man sich in eine andere Welt des Mythos. Das Popupbuch lädt zum Spiel ein. Es gibt einen Raum vor, lässt zugleich dem Spiel freien Lauf. Die Geschichte hat zwei Darbietungsformen: als Film mit hinzu komponierter Musik und als Aufführung mit musikalischer Improvisation. Beim Film ist das Bild Vorlage für die Musik, während bei der Aufführung des Silhouetten-Spiels sich Musik und Bild gleichzeitig entwickeln: Inwiefern hatte hier die Musik die Aufgabe das Spiel zu untermalen? Daraus wuchs in mir die Neugier, ob es möglich ist, eine Aufführung zu gestalten in der Bildende Kunst und Musik gleichberechtigt gegenüber stehen und miteinander kommunizieren. Et voila: Der Pianist der Aufführung, Prof. Dr. Stefan Schmidt arbeitet nun zusammen mit mir am Paulusprojekt. Seit zwei Semestern leitet er das interdisziplinär gestaltete Seminar „Mathematik, Musik, Kommunikation“ am Institut für Algebra der TU Dresden.
„Musik und Mathematik, das hat man ja schon oft gehört- aber was hat das mit dem Paulusprojekt zu tun?
Im Seminar versuchen wir Musik mit mathematischen Mitteln zu analysieren, auch in Hinblick auf Musik als Mittel der Kommunikation. Das Spektrum der Betrachtung reicht von der Hörphysiologie über physikalische Beschreibungen, kompositorische Aspekte und Visualisierung von Musik, bis hin zu Ausdrucksformen der Musik sogar für Gehörlose. Eine aus dem Seminar hervorgegangene wissenschaftliche Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit Anwendung der Erkenntnisse auf das Paulusprojekt. Als Bildbeispiel aus dem Seminar ist das von Immanuel Albrecht erarbeitete Zeitgerüst zum Lichtchoral des Paulusoratoriums angefügt. Es zeigt das hierarchische Rückgrat des Chorals in seinem musikalischen Ablauf.
Visualisierung Lichtchoral (F.Mendelssohn)
Sie arbeiten also oft interdisziplinär. Welche Stärke sehen Sie im Interdisziplinären und welche Erfahrungen verbinden sie damit?
Hm. Ich mag interdisziplinäre Projekte, wenn sie kommunikativ sind, sich also gegenseitig in ihren Disziplinen weiter bringen, als Stärkung der eigenen Disziplin, nicht aber als Ergänzung. Dabei ist für mich von besonderer Bedeutung die Wertschätzung der gegenseitigen Expertise, was umgekehrt eine gewisse Selbstbeschränkung einfordert: Obwohl ich mich in eine andere Disziplin reinversetzen kann, beschränke ich mich als Profi auf mein eigenes Gebiet. Natürlich obliegt es mir als Dramaturgin für das Zusammenspiel der einzelnen Facetten verantwortlich zu sein. Konkret heißt das auch für dieses Projekt, dass der Dirigent die Musik leitet und ich als Künstlerin das Bild setze, genauso, wie der musische Mathematiker die Musik mit mathematischen Mitteln darstellt. Verankert in der jeweils eigenen Disziplin kommunizieren wir nach außen. Das ist manchmal gar nicht so einfach und fordert den Dramaturgen, dass sich alles trotzdem zu einem Ganzen verwebt. Das ist ja Ziel.
Fühlen Sie sich durch das Paulusprojekt künstlerisch bereichert?
Was ist denn das für eine tiefsinnige Frage?! Künstlerisch ist es oft ein naives Entdecken: Haben sie je beobachtet, dass der Dirigent ein Bild vor sich liegen hat: die Partitur. Die erste Bewegung des Dirigenten geht nicht vom akustischen Ton aus! Er tanzt sozusagen zu der nach innen gehörten Musik. Die Idee, ein Bildwerk von einem Hörwerk zu schaffen, vielleicht sogar Musik für Gehörlose erlebbar zu machen, ist wohl doch nicht so abstrakt, wie es zunächst erscheint.
Was bleibt nun noch zu sagen?
Mach Dich auf, werde licht. – Rise! up! arise! Riseandshine! Dies zitiert nicht nur den Lichtchoral des Paulus-Oratoriums, sondern ist auch eine Einladung an alle, die durch ihr Dabei-Sein die Aufführung beleben. Ja, wer neugierig auf das Projekt geworden ist, kann auch im Internet den weiteren Werdegang verfolgen. Das Paulusprojekt finden sie auf der Webseite www.paulus2011.de
33. Evangelischer Kirchentag 2011 in Dresden, am 2. Juni, 20.30 Uhr, im Anblick der Brühlschen Terrasse. Wenn es nicht regnet beginnt das Oratorium dort pünktlich zum Sonnenuntergang. Und mit Einbruch der Dunkelheit auch das Silhouetten-Spiel.